Diese Videoarbeit entstand im Rahmen der Stückentwicklung good morning wolfenbüttel (Mai 2025) zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und wurde als Videoinstallation in die Inszenierung integriert.
Ausgangspunkt sind die Worte: „1945 – das Ende des Krieges, schmaler Lichtstrahl einer Befreiung“. Von dort entfaltet sich eine Folge von Lichtflecken – Sonnenlicht, das durch Fenster auf Wände und Böden fällt. Flüchtige Erscheinungen, die weder festgehalten noch wiederholt werden können. In ihnen tauchen abstrahierte, teils expressive Zeichnungen von Menschen und Silhouetten auf, als würden Erinnerungen für einen Moment im Licht sichtbar.
„Ein Licht für die…“ Die handgezeichnete Schrift der Arbeit verdichtet sich im weiteren Verlauf zu einer langen Reihe von Vervollständigungen dieses Satzes mit Bezeichnungen und Charakterisierungen von Menschengruppen, die als Befreite verstanden werden können: jene, die überlebt haben, die zurückkehren konnten, die versteckt waren, die verfolgt wurden, die ihre Sprache, ihre Heimat oder ihre Angehörigen verloren hatten. Die Aufzählung erweitert den Begriff der Befreiung, ohne ihn zu vereinheitlichen.

Schmales Licht einer Befreiung versteht das Ende des zweiten Weltkrieges in Europa nicht als abgeschlossenen historischen Moment, sondern als fragile Öffnung. Das Licht erscheint nicht als triumphaler Scheinwerfer, sondern als schmaler, durch Fenster fallender Streifen – begrenzt, verletzlich und dennoch gegenwärtig. Zwischen Licht, Zeichnung und Schrift entsteht ein Raum, in dem Befreiung nicht dargestellt, sondern als Spur, Erinnerung und fortdauernde Frage behandelt wird.