Diese Videoarbeit entstand im Rahmen der Stückentwicklung good morning (Wolfenbüttel, Mai 2025) zum 80. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und wurde als Videoinstallation in die Inszenierung integriert. Sie ist vor, während und nach den Vorstellungen zu sehen. Stand 2026 touren die Installation und das Stück weiterhin durch Niedersachsen. Sie integrieren sich in bestehende Architekturen an öffentlichen Plätzen, in Gedenkstätten und Kulturzentren.
Am Beginn der Arbeit stehen die Worte: „1945 – das Ende des Krieges, schmaler Lichtstrahl einer Befreiung“. Von dort entfaltet sich eine Folge von Lichtflecken – Sonnenlicht, das durch Fenster auf Wände und Böden fällt. Schlaglichter auf Ecken und Nischen. Flüchtige Erscheinungen an Orten die vermeintlichen Schutz bedeuten können, Abgeschiedenheit oder Unsichtbarkeit. In ihnen tauchen abstrahierte, teils expressive Zeichnungen von Menschen und Silhouetten auf, als würden Erinnerungen für einen Moment im Licht sichtbar.

„Ein Licht für die…“
Die handgezeichnete Schrift der Arbeit verdichtet sich im weiteren Verlauf zu einer langen Folge von Vervollständigungen dieses Satzes mit Bezeichnungen und Charakterisierungen von Menschengruppen, die als Befreite verstanden werden können: die Überlebenden, die Zurückkehrenden, die Versteckten, die Verfolgten, die Verschwiegenen, die, die ihre Sprache, ihre Heimat oder ihre Angehörigen verloren hatten, die Erzogenen u.v.m. bis hin zu den Ungeborenen, die das Licht der Welt nach dem Nationalsozialismus erblicken konnten. Die Aufzählung erweitert den Begriff der Befreiung bewusst, ohne ihn zu vereinheitlichen.
Schmales Licht einer Befreiung versteht das Ende des zweiten Weltkrieges in Europa nicht als abgeschlossenen historischen Moment, sondern als fragile Öffnung. Das Licht erscheint nicht als triumphaler Scheinwerfer, sondern als schmaler, durch Fenster fallender Streifen – begrenzt, verletzlich und dennoch gegenwärtig. Zwischen Licht, Zeichnung und Schrift entsteht ein Raum, in dem Befreiung nicht dargestellt, sondern als Spur, Erinnerung und fortdauernde Frage behandelt wird.